Oder: wir haben eine Situation!
Bis Basel Bahnhof klappte alles gut mit der Anreise. Dann setzten wir uns im ICE nach Mannheim im Wagen 11 auf unsere reservierten Plätze und warteten auf die planmässige Abfahrt um 08:16 Uhr. Nach fünf Minuten Warten ertönte die erste Durchsage: „Wir haben eine Situation und können nicht abfahren. Die Zugfahrt entfällt. Wir bitten alle Reisenden auszusteigen und den nächsten ICE um 08:46 Uhr zu nehmen.“ Alle stehen auf und beginnen, ihr Gepäck herunter- oder hervorzuhieven. Als alles aussteigen will, ertönt die zweite Durchsage: „Wir können jetzt doch fahren, aber nur bis Basel Badischer Bahnhof. Dort steht ein Ersatzzug bereit, mit dem Sie Ihre Reise fortsetzen können. Bitte steigen Sie nicht aus.“ Ah, top, das tönt doch gut! Vielleicht erreichen wir in Mannheim sogar unseren Anschlusszug? Alles setzt sich wieder.
Dann eilen zwei Polizisten durch unseren Wagen und verschwinden durch die Gangtür. Wegen der Situation? Wenig später fahren wir tatsächlich los. Kurz vor dem Badischen Bahn ertönt die dritte Durchsage: „Leider konnten wir in der gegebenen Zeit doch keinen Ersatzzug bereitstellen. Bitte nehmen Sie den nächsten fahrplanmässigen ICE auf dem Gleis nebenan.“ Na, toll. Der kommt ja auch von Basel und ist sicher voll. Wir haben aber Glück und finden im vordersten Erstklasswagen zwei freie Plätze. So, und jetzt nehmen wir doch noch Fahrt auf.
Im Bahnhof Mannheim stärken wir uns mit Sandwiches für die dreistündige Weiterreise, die uns über Kaiserslautern, Saarbrücken, Völklingen, Mettlach und Trier endlich nach Schweich führt. Die Strecke ist spektakulär schön, insbesondere der Abschnitt zwischen Mettlach und Trier, wo die Zuglinie der Saar folgt und alle Schleifen mitmacht.



Beim Bahnhof Schweich leisten wir uns ein Taxi, wir haben keine Lust, mit dem Rollkoffer eine halbe Stunde in glühender Sonne ins Hotel zu marschieren. Nach der fünfminütigen Fahrt wissen wir bestens Bescheid über die aktuellen Strassenbauprojekte im Ort („es ist ein Wahnsinn!“, „alles abgesperrt!“) und wo man gut gutbürgerlich essen kann mit Blick auf die Mosel („sieht aus wie eine Kirche, ist aber ein Fährturm, und heute ein Restaurant!“).
Im Hotel Moselbrücke checken wir ein und erkunden anschliessend den Ort. Heiss ist es jetzt schon. In der Bäckerei Wintrich erkundige ich mich, ob man morgens Sandwiches kaufen könne. Sandwiches? Frau Wintrich erklärt mir mit sehr bestimmten Ton, dass die Bäckerei belegte Brote mache, Käse, Salami, Schinken. Und ja, ab 07:30 Uhr sei offen – also bis morgen, Frau Wintrich!



Am Abend essen wir beim Italiener eine feine Pizza, das Ristorante ist draussen und drinnen brechend voll, das Personal ist im Laufschritt unterwegs und hat alle Hände voll zu tun. Nachspeise gibt’s beim Italiener nebendran in der Gelateria, und mit der Waffel in der Hand spazieren wir noch ein wenig entlang der Mosel, was höchst interessant ist. Wir sehen den Fährturm, den Campingplatz und den Schweicher Hafen, wo man vom Standup-Paddler über den Jetski-Raser bis zum Grossjacht-Besitzer alles antrifft. Etwas weiter flussaufwärts hat die River Diamond angelegt, ein Flusskreuzfahrtschiff. Auf der uns zugewandten Seite zähle ich etwa 40 Kabinen. Bei allen ist sind die Vorhänge geschlossen. Plötzlich öffnet sich bei einer Kabine im oberen Stock die beiden Vorhänge und ein älterer Herr, der wohl direkt vom Duschen kommt, steht füdliblutt am Fenster und präsentiert den Spaziergängern auf dem Uferweg seinen beachtlichen Ranzen und seinen Johannes.



Frühstücken können wir morgen bereits ab 06:30 Uhr, was sehr gut ist, denn wir wollen früh los, damit wir nicht in der grössten Hitze wandern müssen.




























































